Nachruf auf Christel Dill – Mitbegründerin des SoPoFo

Christel Dill, unsere engagierte Mitgründerin des Sozialpolitischen Forums München e.V. (1989)
ist am 25. Mai 2020 mit 71 Jahren verstorben.

Christel hat sich seit den 70er Jahren für die Belange von Schwachen, Minderheiten, für
bundesweit vorbildliche Konzepte in der Wohnungslosenhilfe, für Gemeinwesenarbeit (GWA) und Fraueninteressen mit hohem Engagement eingesetzt. Sie war als Mitarbeiterin des Sozialreferats der Landeshauptstadt München, Allgemeiner Sozialdienst, u.a. an der Gründung der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit und den GWA-Projekten in Unterkunftsanlagen beteiligt. Die hauswirtschaftliche Beratung verschuldeter Haushalte und die Gründung einer „Zentralen Wohnungslosenhilfe“ hat sie wesentlich initiiert und konzipiert. Gerade letztere hat für Wohnungslose die bis dahin organisatorisch getrennten Bereiche: sozialpädagogische Beratung, Wohnungs- und Arbeitsvermittlung (Jobcenter) integriert aus einer Hand ermöglicht.

Im Sozialpolitischen Forum München setzte sich Christel vehement für alle Belange sozialer Arbeit, vor allem für die Bekämpfung von Armut und Obdachlosigkeit, bezahlbares Wohnen und die finanzielle Ausstattung sozialer Empowerment-, Teilhabe- und Frauen-Projekte ein. Anfang der 90er Jahre hatte sie die Aktion „Vorfahrt für Kinder“ mitinitiiert, an dem sich viele Eltern beteiligten. Es ging dabei um den damals alamierenden Kindertagesstätten-Notstand in München. Schließlich erreichten wir unter der neuen rot-grünen Stadtregierung, dass ein 500 Mio. Kindertagesstätten-Bauprogramm umgesetzt wurde.

Auch im Ruhestand engagierte sich Christel weiter, sie vertrat als Seniorenbeirätin und Vorstandsmitglied der AG 60 plus die Belange älterer Bürger*innen und war im Vorstand des Seniorentreffs Neuhausen e. V.

Christel war zu allererst Fachpolitikerin. Sie genoss über die Parteigrenzen hinweg, vor allen bei den Grünen und der SPD, deren Mitglied sie war, aber auch bei den anderen Parteien hohe
Anerkennung und großen Respekt.

Wir kennen Christel als sozialpolitische Mitstreitern und Kollegin auf die immer Verlass war. Zu hundert Prozent. Sie war fester Bestandteil im Netzwerk der Münchner kritischen Sozialarbeit.

Wir sind sehr traurig, dass sie so plötzlich von uns gegangen ist und werden sie sehr vermissen.

Der Gründungs- und der aktuelle Vorstand des Sozialpolitische Forums München e.V. und viele weitere Freundinnen und Freunde in der sozialen Arbeit, die ihr beruflich, politisch und als Mensch
nahe standen.

Bernd Schreyer
Andrea Betz
Thomas Fleischer
Anne Hübner
Gotthart Schwarz
Christian Müller
Michael Köhler
Waltraud Hafenbrädl
Gerald Winkler
Werner Nüßle
Oswald Utz
Richard Schlickenrieder
Christl Empen
Anni Kammerlander
Peter J. Pinck
Alexander Wunschmann
Norbert Pflug
Gülseren Demirel
Frieder Graffe
Jutta Koller
Siegfried Benker

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Corona: Dringliche Forderungen des Sozialpolitischen Forums München e.V.

Bernd Schreyer, Andrea Betz

Armut und Wohnungslosigkeit in München werden, aufgrund der Corona-Pandemie stark zunehmen. Fluchtursachen für Menschen werden weltweit steigen. Das Grundrecht auf Gesundheit und die körperliche Unversehrtheit ist gerade für diese Betroffenen (Artikel 2 (2) Grundgesetz) in höchstem Maße gefährdet. Um in München hier schnellstens und nachhaltig Abhilfe zu schaffen, stellen wir – das Sozialpolitische Forum München e.V. – 10 dringliche Forderungen an Politik und Verwaltung:

Für die dezentrale Unterbringung von geflüchteten und wohnungslosen Menschen fordern wir:

1. Weitere Hotelanmietungen für dezentrale, stark verdichtete Unterkünfte in der Corona-Zeit.

2. Ausweitung der Notbetreuung in KiTas, Horten und Tagesheimen für Kinder in prekären Wohn- und Familienverhältnissen.

3. Erneute Überprüfung aller, in der letzten Legislaturperiode, abgelehnten Grundstücke für Flexiheime und Wohnungsprogramme für Benachteiligte am Wohnungsmarkt.

4. Familien mit Kindern nach spätestens 6 Monaten aus Münchner Ankereinrichtungen in dezentrale Unterbringung.

5. Ausreichend Rückzugsräume / Aufenthaltsräume, damit Bewohner*innen eine Alternative zur Enge der Zimmer haben. Präventive Maßnahme gegenüber häuslicher Gewalt, psychischer Belastung, Kindeswohlgefährdung.

6. Bedarfsgerechte Versorgung von Menschen mit physischen und psychischen Handicaps. Psychosoziale Betreuung und barrierefreie Zimmer.

7. Platzkapazität in Unterkünften für die Aufnahme von 200 schutzbedürftigen Geflüchteten aus griechischen Lagern schaffen.

8. Digitalisierung in den Gemeinschaftsunterkünften verstärken. IT-Raum mit PC-Arbeitsplätzen inkl. Drucker schaffen. Es zeigt sich jetzt in der Corona-Krise, dass die schulpflichtigen Kinder nicht in der Lage sind die Unterlagen, die die Schule digital schickt, zu bearbeiten. Die Kinder haben somit einen großen Nachteil ihrer Bildungschancen. Es würde auch Arbeitssuchenden erleichtern, sich auf Stellenangebote zu bewerben und auch Frauen neue Möglichkeiten eröffnen.

9. Soziale Betreuung durch hauptamtliche Fachkräfte in der Unterkunft stärken! Rahmenbedingungen so gestalten, dass die Hauptamtlichen täglich vor Ort Beratung anbieten können. Beratung vor Ort stabilisiert.

10. Bürgerschaftliches Engagement vor Ort stärken durch positive Anreize und hauptamtliche Unterstützungsstrukturen. Räume für Freiwillige schaffen.

Für den geschäftsführenden Vorstand: Andrea Betz, Bernd Schreyer, Tom Fleischer

München, 22.04.2020

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